Bybit im DACH-Check: MiCA aus Wien, niedrige Fees, Derivate-Lücke in der EU
Bybit ist seit Mai 2025 mit voller MiCA-Lizenz der FMA Austria ausgestattet und betreibt die EU-Geschäftseinheit als Bybit EU GmbH aus Wien. Damit ist Bybit eine der wenigen globalen Derivate-Börsen mit sauberem EU-Passport. Der Haken: Die regulierten Derivate (Perpetuals, Optionen) sind in der EU-Version aktuell noch nicht freigeschaltet - die MiFID-Lizenz für Krypto-Derivate ist beantragt, aber pending. Wer Spot und Spot-Margin in einer DACH-konformen Umgebung mit sehr niedrigen Gebühren sucht, bekommt mit Bybit ein starkes Paket. Wer hingegen Krypto-Futures aktiv handelt, muss aktuell auf OKX oder die Cyprus-MiFID-Variante von Kraken ausweichen.
Pro und Contra im Überblick
Pro
- Volle MiCA-Lizenz der FMA Austria seit 28. Mai 2025, EU-HQ in Wien
- Spot-Gebühren ab 0,10 % - am unteren Ende des Marktes
- Breite Coin-Auswahl (200+ in der EU-Variante, 350+ global)
- Starkes Copy-Trading und Bybit Web3 Wallet inklusive
- Lifetime-RevShare-Affiliate-Programm bis 50 %
Contra
- EU-Version aktuell ohne regulierte Derivate - MiFID-Lizenz noch pending
- Keine API für Bybit.eu - Steuer-Daten nur per CSV-Export
- Trustpilot 3,3 mit gemischten Bewertungen zur Support-Geschwindigkeit
- Brand-Bekanntheit im DACH geringer als Bitpanda oder Kraken
Im Überblick
Bybit wurde 2018 in Dubai gegründet und gehört zu den drei größten Krypto-Börsen weltweit nach Spot-Volumen. Seit Mai 2025 betreibt das Unternehmen die EU-Geschäfte als Bybit EU GmbH aus Wien - mit voller MiCA-Lizenz der FMA Austria. Die EU-Variante ist ein eigenständiges Produkt mit reduzierter Coin-Auswahl (rund 200 Coins statt 350+ global) und aktuell nur Spot + Spot-Margin. Die regulierten Krypto-Derivate (Perpetuals, Futures, Optionen) sind beantragt, die MiFID-Lizenz ist aber zum 13.05.2026 noch nicht erteilt.
Die FMA-Lizenz ermöglicht das EU-Passporting in alle 29 EEA-Länder. Bybit baut in Wien aktuell ein Team von 100+ Mitarbeitenden auf - das Commitment in die EU ist also substanziell. Für DACH-Kunden ist Bybit damit aus regulatorischer Sicht eine sichere Wahl - mit der Einschränkung, dass Derivate-Trader vorerst auswärts handeln müssen.
Mehr Hintergrund zur EU-Regulierung findest du in unserem MiCA-Glossar und in der News-Übersicht zu den ersten lizenzierten EU-CASPs.
MiCA-Status und Regulierung
Bybit hat am 28. Mai 2025 die MiCA-Lizenz der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) erhalten. Lizenznehmerin ist die Bybit EU GmbH mit Sitz in Wien. Die Lizenz deckt die Kernservices Custody, Trading und Transfer ab und ermöglicht das Passporting in alle 29 EEA-Staaten.
Die wichtigste Einschränkung: Krypto-Derivate fallen unter MiFID II, nicht unter MiCA. Bybit hat eine MiFID-Erweiterung beantragt, aber noch nicht erhalten. Bis dahin bietet Bybit.eu nur Spot und Spot-Margin - keine Perpetuals, keine Optionen, keine USDT-Futures.
Die DAC8-Meldung erfolgt ab dem 1. Januar 2026 über die FMA Austria an die jeweiligen Heimat-Finanzämter. Für deutsche Kunden bedeutet das: Die FMA leitet die gemeldeten Daten an die deutsche Bundesfinanzverwaltung weiter. Eine separate Anmeldung beim Bundeszentralamt für Steuern ist nicht notwendig - die Pflicht liegt bei Bybit als CASP.
Fees, Spreads und Pricing
Bybit faehrt eines der niedrigsten Spot-Gebührenmodelle am Markt. Standard sind 0,10 % Maker und Taker - mit BIT-Token-Discount sinkt das auf bis zu 0,075 %. Top-VIP-Tier kann 0,025 % Taker und 0 % Maker erreichen.
- Spot (Standard): 0,10 % / 0,10 %
- Spot (Top-VIP): 0,025 % / 0,00 %
- Futures global (nicht EU): 0,055 % / 0,02 %
- SEPA-Einzahlung: kostenlos
- EUR-Auszahlung: ab 1,00 € Mindestgebühr
Im direkten Vergleich liegt Bybit damit klar unter Bitvavo (0,15-0,25 %), Kraken (0,16-0,26 %) und meilenweit unter Coinbase Simple (1,5 %+). Spread-Aufschläge gibt es bei Bybit nicht - das ist ein klassisches Order-Book-Modell mit transparenter Tier-Struktur.
Du kannst die effektiven Kosten für dein konkretes Volumen mit unserem Gebühren- und Steuerrechner simulieren.
Produkte: Spot, Staking, Derivate, Earn
Das Produktangebot von Bybit EU umfasst aktuell:
- Spot-Trading: 200+ Coins inkl. EUR-Pairs, USDT- und USDC-Märkte
- Spot-Margin: bis 10x Hebel auf ausgewählte Märkte
- Staking und Earn: typische APY um 6 %, Flexibel und Fixed Terms
- Bybit Web3 Wallet: integrierter Self-Custody-Wallet mit dApp-Browser
- Copy-Trading: seit Jahren eines der staerksten Programme am Markt
Was in der EU noch fehlt: USDT-Perpetuals, Inverse-Perpetuals, Optionen, USDC-Futures. Die globale Version bietet das, aber DACH-Kunden können nicht legal auf bybit.com handeln - sie werden auf bybit.eu weitergeleitet.
Wenn du Krypto-Derivate aktiv handelst, schau dir die Alternativen in unserem Börsen-Vergleich an - aktuell sind OKX X-Perps und Kraken Futures die wichtigsten EU-regulierten Optionen.
Steuer-Features: Reports, CSV-Export
Bybit bietet einen CSV-Export für Trade-, Order- und Asset-Historie. Die Spalten umfassen Symbol, Direction, Quantity, Price, Order Value, Fee und Trade Time - ausreichend für den Import in CoinTracking, Blockpit oder Koinly.
Wichtige Einschränkung für EU-Kunden: Die API ist nicht für Bybit.eu freigegeben. Wer eine kontinuierliche Anbindung an Steuersoftware via API braucht, muss bei Bybit auf den manuellen CSV-Workflow setzen. Das ist machbar, aber unbequemer als bei Bitvavo oder OKX.
Spot-Trading auf Bybit faellt für Privatpersonen in DE typischerweise unter § 23 EStG (private Veräußerungsgeschäfte) mit der 1-Jahres-Haltefrist und der Freigrenze von 1.000 € pro Jahr. Staking-Erträge werden als sonstige Einkünfte nach § 22 Nr. 3 EStG mit dem persönlichen Steuersatz versteuert (Freigrenze 256 € pro Jahr). Details in unserer Steuer-Anleitung.
Sonderfall Krypto-Derivate (Perpetuals, Optionen): Sollte Bybit die MiFID-Lizenz erhalten und Derivate in der EU anbieten, ist die einkommensteuerliche Einordnung von Krypto-Perpetuals in der deutschen Literatur umstritten. Üblich genannt werden § 20 Abs. 2 Nr. 3 EStG (Termingeschäft, 25 % Abgeltungsteuer), § 22 Nr. 3 EStG (sonstige Einkünfte) oder § 23 EStG je nach Strukturierung. Eine verbindliche Einordnung solltest du immer mit deinem Steuerberater klaeren.
DACH-Eignung: DE / AT / CH
Deutschland: Bybit EU ist via FMA-Passporting voll BaFin-anerkannt. Es gibt eine deutsche Sprachversion, aber kein nativer Anlage-SO-Export. SEPA-Einzahlungen funktionieren in beide Richtungen reibungslos.
Österreich: Heimatmarkt der EU-Entität. FMA ist die zuständige Aufsicht. Die deutsche Sprachversion deckt den österreichischen Bedarf gut ab. Steuerlich gilt § 27b EStG (Sondersteuersatz 27,5 % auf Kapitalerträge aus Kryptowährungen seit 1.3.2022). Eine KESt-Abzug erfolgt durch Bybit nicht - du musst selbst veranlagen.
Schweiz: Nicht direkt von MiCA gedeckt. Bybit-Nutzung ist als nicht-EU-Resident möglich; FINMA stellt keine eigenen Hindernisse. Steuerlich erfolgt die Erfassung im Wertschriftenverzeichnis (Vermögenssteuer) und Kapitalgewinne sind für Privatanleger meist steuerfrei.
Sicherheit und Track-Record
Bybit hat 2024 einen öffentlichkeitswirksamen Vorfall durchgemacht: Im Februar 2024 wurden rund 1,5 Mrd. USD von einem Hot-Wallet abgezogen. Der Schaden wurde nach Unternehmensangaben aus Eigenmitteln gedeckt, Kundeneinlagen waren nicht betroffen. Die Reaktion (transparente Kommunikation, schnelle Asset-Wiederherstellung) gilt in der Branche als gelungen.
Seit dem Vorfall hat Bybit die Cold-Storage-Quote und das Insurance-Fund-Volumen deutlich aufgestockt. Die FMA hat den Vorfall im Lizenzierungsverfahren beruecksichtigt - die Erteilung im Mai 2025 ist ein Zeichen, dass die FMA das Risikomanagement als ausreichend einschätzt.
Trustpilot zeigt 3,3 Sterne aus rund 14.500 Bewertungen - das ist eher unteres Mittelfeld. Hauptkritikpunkte sind langsame Support-Reaktionen bei KYC-Fragen und gelegentliche Account-Locks. Für eine Börse dieser Größe ist das Bild solide, aber nicht herausragend.