NGRAVE Zero im Test 2026
Die NGRAVE Zero aus Brüssel ist Stand Mai 2026 der einzige bekannte Hardware-Wallet mit verifizierter Common Criteria EAL7-Zertifizierung — der höchsten Sicherheitsstufe, die ein kommerzielles Krypto-Gerät bisher erreicht hat. Komplett Air-Gapped, mit 4-Zoll-Touchscreen und Fingerabdruck-Sensor, positioniert sich NGRAVE als Premium-Cold-Wallet für High-Net-Worth-Hodler.
Pro und Contra im Überblick
Pro
- Einziger Hardware-Wallet mit Common-Criteria-EAL7-Zertifizierung
- Komplett Air-Gapped (nur QR-Code-Signing, kein USB, kein BT)
- 4-Zoll-Touchscreen mit Fingerabdruck-Sensor
- Optional mit GRAPHENE Stainless-Steel-Backup
Contra
- Premium-Preis ab 398 EUR (Combo mit Backup 498 EUR)
- Core-Firmware nicht voll Open Source — Vertrauen via Audit statt Code-Review
- Air-Gapped-Workflow ist langsamer als USB- oder BT-basierte Wallets
Im Überblick
Die NGRAVE Zero wird von der belgischen Firma NGRAVE (HQ Brüssel, gegründet 2018) entwickelt und produziert. NGRAVE positioniert sich klar im Premium-Segment und zielt auf institutionelle und High-Net-Worth-Anleger, die Cold Storage kompromisslos umsetzen wollen.
Aktuelle Editionen (Mai 2026):
- ZERO Solo: 398 EUR — nur das Wallet
- Combo Pack (ZERO + GRAPHENE): 498 EUR — inkl. Stainless-Steel Seed-Backup
- Ultimate Combo Pack: 549 EUR — Premium-Bundle
Verkauft wird die Zero seit 2021. Öffentliche Trustpilot-Scores fehlen, in spezialisierten Reviews (Coinkickoff, Bitcoinhouse) bekommt das Gerät durchgängig hohe Sicherheitsnoten. Die Marktposition ist eindeutig: Premium-Nische für Compliance-orientierte Anleger.
Sicherheit: Secure Element, OSS, Audits
Die NGRAVE Zero ist der einzige Cold Wallet mit Common Criteria EAL7-Zertifizierung. Zur Einordnung: EAL6+ (Ledger, Trezor Safe 5, OneKey Pro, BitBox Nova) ist bereits Banking-Standard. EAL7 wird klassischerweise nur in Hochsicherheits-Smartcards für Verteidigung und Behörden vergeben. Das heißt nicht, dass die NGRAVE-Firmware perfekt ist — aber das Secure Element und der Software-Stack sind formell verifiziert nach den strengsten Common-Criteria-Standards.
Air-Gapped bedeutet hier vollständig physisch isoliert: kein USB zum Signieren, kein Bluetooth, kein WiFi, kein NFC. Transaktionen werden ausschließlich über QR-Codes ausgetauscht. Du scannst eine unsignierte Transaktion mit der Kamera, das Gerät signiert offline, und das signierte Ergebnis wird wieder als QR an die Companion-App zurückgegeben. USB ist nur für Stromversorgung und Firmware-Updates verbunden.
Die Firmware ist nicht voll Open Source — ein Kritikpunkt für OSS-Puristen. NGRAVE argumentiert mit der EAL7-Zertifizierung als Vertrauensanker und stellt einzelne Apps und SDKs offen. Seed-Phrase-Backup läuft über Standard BIP-39 (24 Wörter) plus optional die GRAPHENE-Stainless-Steel-Platte: ein zweiteiliges Backup-System, bei dem du die Seed mit gestanzten Buchstaben auf zwei Edelstahlplatten dauerhaft sicherst. Passphrase-Support und Multisig sind verfügbar.
Hacks oder kritische Schwachstellen wurden bisher öffentlich nicht bekannt — was auch an der kleineren Marktdurchdringung liegen kann. Der Hardware-RNG (Random Number Generator) und ein Anti-Tampering-Mechanismus runden das Sicherheitsbild ab. Fingerabdruck-Sensor und PIN-Code sichern den physischen Zugriff.
Bedienung und Setup
Das Herzstück der NGRAVE Zero ist der 4-Zoll-Kapazitiv-Touchscreen (480x800 Pixel, 600 cd/m² Helligkeit) — mit Abstand das größte Display in der Hardware-Wallet-Klasse. Adressen, Transaktionen und QR-Codes sind klar lesbar, auch bei hellem Umgebungslicht. Der Fingerabdruck-Sensor sitzt seitlich und entsperrt das Gerät zusätzlich zur PIN.
Setup läuft über die NGRAVE Liquid-App (iOS, Android). Die Companion-App kommuniziert ausschließlich über QR-Codes mit der Wallet — das ist langsamer als USB-basierte Workflows, aber maximal sicher. Eine deutsche Sprachversion ist verfügbar. Die Erstkonfiguration führt durch die Perfect Key Generation, ein hybrider Entropie-Workflow, bei dem du mit dem Touchscreen zusätzlich biometrisch-zufällige Daten beiträgst.
Für Einsteiger ist die Wallet nicht ideal: der Air-Gapped-Workflow benötigt mehr Schritte pro Transaktion (QR scannen, signieren, QR zurückscannen). Wer regelmässig auf DeFi-Protokollen handelt, wird damit nicht glücklich. Für Cold Storage mit gelegentlichen Transaktionen ist der Workflow perfekt.
Preise und was du dafür bekommst
NGRAVE positioniert sich klar im Premium-Segment. Preise Stand Mai 2026:
- ZERO Solo: 398 EUR — Wallet ohne Backup-Lösung
- Combo Pack (ZERO + GRAPHENE): 498 EUR — inkl. Stainless-Steel-Seed-Backup
- Ultimate Combo Pack: 549 EUR — Premium-Bundle (von 579 EUR reduziert)
Im Lieferumfang der Solo-Variante: das Gerät, USB-C-Kabel (nur zum Laden/Updaten), Recovery-Karten, Schutzhülle, Dokumentation. Die GRAPHENE-Platten sind ein zweiteiliges Stahl-Set mit gestanzten Buchstaben — deutlich aufwendiger als simple Stamping-Plates der Konkurrenz. Versand erfolgt EU-weit aus Belgien, zollfrei innerhalb der EU. Multi-Packs für Inheritance-Setups (mehrere Wallets für Family-Members) gibt es als Sonderkonditionen auf Anfrage.
Coins, Blockchains und Apps
NGRAVE Zero unterstützt rund 3.500 Coins und Tokens. Die Kern-Chains:
- Bitcoin (alle Adresstypen)
- Ethereum und alle ERC-20-Token
- MultiversX (EGLD) und alle MultiversX-Tokens (NGRAVE war 2024 Launch-Partner)
- Solana, Polkadot, Cardano, Cosmos, Tron, Avalanche, BNB Chain
- Litecoin, BCH, Dogecoin
NFT-Support ist vorhanden, der große 4-Zoll-Bildschirm zeigt ERC-721- und ERC-1155-Thumbnails. DeFi-Anbindung läuft über WalletConnect — bedingt durch den Air-Gapped-Ansatz nicht so fluessig wie bei Ledger Live, aber praxistauglich. Hot-Trading auf Solana oder taktische DeFi-Moves sind nicht die Stärke der Zero; dafür ist sie zu langsam. Für langfristiges Cold Storage von gemischten Portfolios ist die Coverage völlig ausreichend.
Für wen geeignet?
Die NGRAVE Zero ist die richtige Wahl, wenn du in eines dieser Profile passt:
- High-Net-Worth-Hodler mit Beständen im hohen 5- bis 7-stelligen Bereich, bei denen 398 EUR für maximale Sicherheit irrelevant sind.
- Compliance-orientierte Anleger, für die EAL7-Zertifizierung mehr wiegt als reines Open Source.
- Air-Gap-Puristen, die jede USB- oder Bluetooth-Verbindung vermeiden wollen.
- Inheritance-Planer mit langfristigem Vererbungs-Setup — GRAPHENE-Backup und Multisig ermöglichen robuste Konstruktionen.
Für Einsteiger mit weniger als 1 BTC oder für Hot-Traders mit DeFi-Fokus ist die Zero überdimensioniert. Da sind Trezor Safe 3, Ledger Nano S Plus oder BitBox02 die bessere Wahl.
Steuerliche Einordnung: Wer NGRAVE-Bestände hält, hat in der Regel relevante Volumina. Für die deutsche Steuererklärung gilt: die §-23-EStG-Haltefrist wird durch Self-Custody nicht beeinflusst — entscheidend bleibt das Anschaffungsdatum auf der Börse. Schweizer Anleger müssen den Vermögensstand am 31.12. für die kantonale Vermögenssteuer dokumentieren. Vorsicht: nicht-deklarierte Cold-Storage-Bestände sind nicht legal versteckt, sondern Steuerhinterziehung. Unsere Anleitungen zeigen, wie du Wallet-Bestände sauber dokumentierst.
Alternativen
Wer eine NGRAVE Zero erwägt, sollte diese drei Wallets ebenfalls prüfen:
- Cypherock X1: ebenfalls auf High-Net-Worth zugeschnitten, aber mit Shamir-Card-System statt Air-Gapped-QR — völlig anderer Sicherheits-Ansatz.
- Trezor Safe 5: deutlich günstiger (169 EUR), Open Source, dafür nicht Air-Gapped — die rationale Mittelklasse-Wahl.
- Ledger Stax: ähnlicher Premium-Preis (399 EUR), aber Closed Source und nicht Air-Gapped — fokussiert auf NFT-Display und Convenience statt maximaler Sicherheit.